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Geschichte der DDR. Krise und Ende 1981-1990 Artikel
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Klaus Bölling wird am 1.02 Nachfolger von Günter Gaus als Leiter der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in der DDR.
Am 1.04 wird Matthias Domaschk , Mitglied in der evangelischen Jugendorganisation Junge Gemeinde Jena Stadtmitte, festgenommen und stirbt wenig später in der Behandlungshaftanstalt des MfS in Gera unter ungeklärten Umständen.
Am 14.05 finden Wahlen zur Volkskammer und den Bezirkstagen statt. Nach offiziellen Angaben stimmen 99,86 Prozent der Wahlberechtigten für die Einheitslisten der "Nationalen Front".
Der MfS-Hauptmann Werner Teske wird am 26.06 wegen Vorbereitung seiner Flucht in den Westen hingerichtet. Damit wird das letzte Todesurteil der DDR-Justiz vollstreckt. Prozeß und Todesurteil bleiben streng geheim bis zu dem Ende der DDR.
Am 1.10 wird der 'Kanzlerspion' Günter Guillaume in dem Zuge eines Agentenaustauschs in die DDR aus der Haft entlassen. Zuvor wurde seine Frau Christel bereits entlassen.
Die Volkskammer beschließt am 3.11 den Fünfjahrplan 1981–1985.
Vom 11. bis 13.12 trifft der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland Helmut Schmidt den Staatsratsvorsitzenden der DDR Erich Honecker zu einem Arbeitsgespräch am Werbellinsee in dem Jagdschloß Hubertusstock . Sie besuchen auch Güstrow. Die Stadt wird von mehreren Tausend MfS-Mitarbeitern als Komparsen bevölkert, während die Einheimischen die Straßen nicht betreten dürfen. Honecker hält die jubelnden Massen auf dem Güstrower Weihnachtsmarkt angeblich für echt.
Am 13.12 verhängt General Wojciech Jaruzelski in Polen das Kriegsrecht. Die Gewerkschaft Solidarność wird verboten. Eine Verhaftungswelle rollt durch das Land. Der Widerstand der streikenden Arbeiter wird mit Gewalt gebrochen.
Schriftsteller aus West und Ost treffen sich am 13. und 14.12 auf Initiative Stephan Hermlins in Ost-Berlin.
Der SED-Politiker Franz Dahlem stirbt am 17.12 in Ost-Berlin.
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Am 1.01 findet eine Volkszählung statt.
Am 25.01 wird der von Pfarrer Rainer Eppelmann und dem Wissenschaftler Robert Havemann verfasste "Berliner Appell – Frieden schaffen ohne Waffen" veröffentlicht. Damit erreicht die Friedensbewegung in der DDR erstmals eine breite Resonanz.
Auf einem Friedensforum am 14.02 in der Kreuzkirche in Dresden fordern etwa 5 Tausend meist jugendliche Teilnehmer die Einführung des zivilen Wehrersatzdienstes in der DDR.
Der Filmregisseur Konrad Wolf stirbt am 7. März in Ost-Berlin.
Ein am 25. März erlassenes neues Wehrpflichtgesetz schreibt die vormilitärische Ausbildung von Jugendlichen vor und ermöglicht in dem Verteidigungsfall die Ausweitung der allgemeinen Wehrpflicht auf Frauen.
Der Chemiker, Kommunist und DDR-Regimekritiker Robert Havemann stirbt am 9.04.
Am 24.05 tritt Hans-Otto Bräutigam die Nachfolge Klaus Böllings als Ständiger Vertreter der Bundesrepublik Deutschland in der DDR an.
Die Sowjetunion beginnt am 15.07 mit der Stationierung von mobilen SS-21-Kurzstreckenraketen in der DDR.
Nach einem konstruktiven Misstrauenvotum in dem Deutschen Bundestag tritt Helmut Kohl als Bundeskanzler einer aus CDU/CSU und FDP gebildeten Koalition am 1.10 die Nachfolge von Helmut Schmidt an.
Die sowjetische Staatschef Leonid Breschnew stirbt am 10.11. Der langjährige Chef des sowjetischen Geheimdienstes KGB, Juri Wladimirowitsch Andropow, wird am 12.11 Generalssekretär der KPdSU.
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In Dresden demonstrieren am 14.02 etwa 100 Tausend Menschen für den Frieden.
Erich Honecker sagt am 28.04 offiziell wegen des Aufsehens um die Tode von Transitreisenden am 10. und 26.04 seinen geplanten Besuch in der Bundesrepublik Deutschland ab. Tatsächlich aber gibt er dem Drängen der sowjetischen Regierung nach.
Am 12.05 demonstrieren sechs Bundestagsabgeordnete der Grünen auf dem Ost-Berliner Alexanderplatz für Abrüstung in Ost und West. Sie werden kurzzeitig festgenommen und in den Westen abgeschoben.
Die Schriftstellerin Anna Seghers, Präsidentin des DDR-Schriftstellerverbandes von 1952 bis 1978, stirbt am 1.06 in Ost-Berlin.
Die Bundesregierung übernimmt am 29.06 die Bürgschaft für einen vom bayrischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß (CSU) vermittelten Kredit über eine Milliarde D-Mark (511 Millionen Euro) für die DDR. Sie will damit die Stabilität der DDR bewahren, die sich in finanziellen Schwierigkeiten befindet.
Vom 24. bis 27.07 unternimmt Franz Josef Strauß eine 'Privatreise' in die DDR. Er trifft sich mit Erich Honecker.
Der UNO-Generalsekretär Peréz de Cuéllar stattet vom 29.06 bis 2.07 der DDR einen offiziellen Besuch ab.
Die Volkspolizei löst am 1.09 eine Menschenkette auf, die Anhänger der DDR-Friedensbewegung anlässlich des Weltfriedenstages zwischen der sowjetischen und der US-Botschaft in Ost-Berlin bilden wollten.
Am 15.09 findet das erste Treffen zwischen einem Regierenden Bürgermeister von West-Berlin (Richard von Weizsäcker) und einem DDR-Staatsoberhaupt (Erich Honecker) statt.
Am 6.10, dem Vortag des Nationalfeiertages der DDR, kündigt Erich Honecker den vollständigen Abbau der Selbstschussanlagen an der innerdeutschen Grenze an.
Ein neues Post- und Fernmeldeabkommen zwischen beiden deutschen Staaten, das die Anhebung der jährlichen Pauschalleistungen der Bundesrepublik Deutschland an die DDR von 85 auf 200 Millionen D-Mark (44 auf 102 Millionen Euro) vorsieht, kommt am 15.11 zu dem Abschluss.
Die Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen kritisiert am 5.12 die Stationierung sowjetischer Mittelstreckenraketen in der DDR.
Am 12.12 werden Bärbel Bohley und Ulrike Poppe von der Initiative "Frauen für den Frieden" verhaftet. Nach Protesten werden sie am 24.01 1984 freigelassen.
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Die West-Berliner S-Bahn geht am 9.01 von der Deutschen Reichsbahn (der Bahngesellschaft der DDR) an West-Berlin über.
Sechs DDR-Büger, die sich in die Ost-Berliner US-Botschaft geflüchtet hatten, dürfen am 22.01 nach West-Berlin ausreisen.
Die zweimillionste Wohnung, die in dem Rahmen des Wohnungsbauprogrammes seit 1970 gebaut wurde, wird von Erich Honecker am 9.02 feierlich übergeben.
Am 9. Februar stirbt der sowjetische Staatschef Juri Andropow.
Bei den Trauerfeierlichkeiten zu dem Tode des KPdSU-Generalsekretärs Juri Andropow treffen sich Bundeskanzler Helmut Kohl und Erich Honecker am 13.02 in Moskau.
Am 6.04 kehren 35 DDR-Bürger, die am 2.04 in die bundesdeutsche Botschaft in Prag geflüchtet sind, in die DDR zurück, nach dem ihnen eine baldige Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland zugesichert wurde.
In Reaktion auf das Fernbleiben der Vereinigte Staaten Amerika von den Olympischen Spielen in Moskau 1980 (wegen des Einmarsches der UdSSR in Afghanistan) sagt die DDR am 10.05 die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Los Angeles ab.
Vom 8. bis 10.06 findet in Ost-Berlin ein 'Nationales Jugendfestival der DDR' mit etwa 75 Tausend Jugendlichen statt.
Die Ständige Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in Ost-Berlin wird am 26.06 vorübergehend "wegen Überfüllung" geschlossen, weil sich in ihr 55 DDR-Bürger aufhalten, die ihre Ausreise erzwingen wollen. Nach Zusicherung von Straffreiheit und baldiger Ausreise verlassen sie die Ständige Vertretung am 5.07 wieder.
Der schwedische Ministerpräsident Olof Palme besucht am 29. und 30.06 die DDR.
Der italienische Ministerpräsident Bettino Craxi besucht am 9. und 10.07 die DDR.
Am 25.07 gibt der bundesdeutsche Staatsminister Philipp Jenninger die Bürgschaft für einen Kredit in Höhe von 950 Millionen DM (486 Millionen Euro) für die DDR bekannt. Gegenleistungen sind Erleichterungen in dem innerdeutschen Reiseverkehr und der vollständige Abbau der Selbstschussanlagen an der innerdeutschen Grenze.
Am 4.09 sagt Erich Honecker seinen für Ende September geplanten Besuch in der Bundesrepublik Deutschland ab.
Erich Honecker besucht vom 16. bis 19.10 Finnland.
Der österreichische Bundeskanzler Fred Sinowatz besucht am 5. und 6.11 die DDR.
Am 1.12 tritt in der DDR die Erhöhung der Mindestrente auf 300 Mark der DDR in Kraft. (Nach den offiziellen Umrechnungskursen wären das etwa 77 Euro. Diese Zahl gibt jedoch keinen zutreffenden Eindruck von der Kaufkraft.)
Die DDR hat 1984 ungewöhnlich viele, nämlich 40.900 Ausreisewillige in die Bundesrepublik Deutschland übersiedeln lassen. In dem Vorjahr waren es 11.300 und in dem Folgejahr 24.900.
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Vom 9. bis 12.01 besucht der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Johannes Rau, die DDR.
Am 15.01 kehren die letzten der 168 DDR-Bürger, die sich seit dem 2.10 1984 in die Prager Botschaft der Bundesrepublik Deutschland geflüchtet hatten in die DDR zurück. Ihnen war Straffreiheit und eine baldige Ausreise zugesichert worden.
Die restaurierte Semperoper in Dresden wird am 13.02 wiedereröffnet.
Am 10. März stirbt der sowjetische Staats- und Parteichef Konstantin Tschernjenko. Mit Michail Gorbatschow wird am 11. März ein angesichts des hohen Alters seiner drei Vorgänger erstaunlich junger Mann sowjetsches Staatsoberhaupt. Wie in dem Vorjahr treffen sich Bundeskanzler Helmut Kohl und Erich Honecker am 12. März am Rande von Trauerfeierlichkeit zu dem Tode eines sowjetischen Staatsoberhauptes.
Der französische Ministerpräsident Laurent Fabius besucht am 6.04 die DDR.
Mit Geoffrey Howe besucht am 8.04 erstmals ein britischer Außenminister die DDR.
Das 1978 von der DDR-Führung geschlossene Korrespondentenbüro des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" wird am 16.04 wieder eröffnet.
Am 11.06 findet auf der Glienicker Brücke (zwischen West-Berlin und Potsdam) der größte Agentenaustausch seit 1945 statt. 25 West-Agenten und vier Ost-Agenten kommen frei.
Am 5.07 werden neue Vereinbarungen über den innerdeutschen Handel für die Jahre 1986 bis 1990 getroffen. Das Toleranzvolumen als Bestandteil der gegenseitigen Handelsbeziehungen (Swing ) wird von 600 auf 850 Millionen DM (307 auf 435 Millionen Euro) angehoben.
Der in dem Bundesamt für Verfassungsschutz für die Abwehr der DDR-Spionage zuständige Hansjoachim Tiedge läuft am 19.08 in die DDR über. Am 23.08 geben die DDR-Medien den Überlauf bekannt.
Der finnische Präsident Kalevi Sorsa besucht vom 9. bis 11.09 die DDR.
Günter Schabowski wird am 25.11 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung Ost-Berlin.
Am 2.12 stirbt der DDR-Verteidigungsminister Armeegeneral Heinz Hoffmann. Am 3.12 tritt Heinz Keßler seine Nachfolge an.
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Am 5. März scheidet der stellvertretende Minister und Leiter der Hauptverwaltung Aufklärung (HV A) des MfS, Generaloberst Markus Wolf, aus dem aktiven Dienst aus.
Ein Mitglied des SED-Politbüros, Kurt Hager, nimmt in einem Interview mit dem westdeutschen Nachrichtenmagazin Stern am 8.04 zu den Reformen in der Sowjetunion Stellung mit den Worten: "Würden Sie, nebenbei gesagt, wenn Ihr Nachbar seine Wohnung neu tapeziert, sich verpflichtet fühlen, Ihre Wohnung ebenfalls neu zu tapezieren?".
Am 13.04 endet ein mehrtägiges Manöver der Nationalen Volksarmee der DDR (NVA), an dem erstmals Beobachter aus den KSZE-Signatarstaaten teilgenommen haben. Unter den Beobachtern sind auch zwei Offiziere der Bundeswehr.
Erich Honecker weilt vom 3. bis 5.06 zu einem offiziellen Staatsbesuch in den Niederlanden.
Am 8.06 kommt es am Ost-Berliner Brandenburger Tor zu brutalen Übergriffen von DDR-Sicherheitskräften auf Fans, die einem Rockkonzert vor dem Reichstag auf West-Berliner Seite der Berliner Mauer zuhören wollen.
Der US-Präsident Ronald Reagan richtet sich bei einem Besuch des Brandenburger Tores am 12.06 symbolisch an den sowjetischen Generalsekretär Michail Gorbatschow mit der Aufforderung, die Berliner Mauer abzureißen und das Brandenburger Tor zu öffnen.
Der UNO-Generalsekretär Pérez de Cuéllar besucht am 15.06 die DDR.
Am 17.06 wird in der DDR die Todesstrafe offiziell abgeschafft.
Erich Honecker empfängt am 23.06 Rabbiner Israel Miller, den Präsidenten der "Jewish Claims Conference".
Vom 1. bis 18.09 findet unter Beteiligung von unabhängigen Friedensgruppen in der DDR der so genannte Olof-Palme-Friedensmarsch statt. Er führt von Stralsund über mehrere Orte nach Dresden. Unter anderem ziehen am 5.09 etwa 1 Tausend Teilnehmer von der Ost-Berliner Zions- zur Gethsemane-Kirche. Die DDR-Behörden zeigen sich überraschend großzügig und tolerieren den Marsch.
Erich Honecker wird vom 7. bis 11.09 in der Bundesrepublik Deutschland als offizieller Staatsgast empfangen. Er unterzeichnet mehrere Abkommen u.a. über wissenschaftliche und umwelttechnische Zusammenarbeit und besucht anschließend Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, das Saarland (dort sucht er seinen Geburtsort Neunkirchen (Saarland) auf) und Bayern.
Vom 13. bis 5.10 stattet Erich Honecker Belgien einen Staatsbesuch ab.
In der Nacht vom 24. zu dem 25.11 werden von Mitarbeitern des Generalstaatsanwaltes und des MfS die Räume der "Umweltbibliothek" in der evangelischen Zionsgemeinde in Ost-Berlin durchsucht. Sieben festgenommene Personen werden nach Protesten und Mahnwachen in der ganzen DDR wenige Tage später wieder freigelassen.
Am 12.12 ist die Amnestie anlässlich des 38. Jahrestages der Gründung der DDR (7.10 1949) abgeschlossen. Es wurden 24.621 Personen aus der Haft entlassen.
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Erich Honecker besucht vom 7. bis 9.01 Frankreich.
In die offizielle Gedenkdemonstration für Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht am 17.01 wollen sich Demonstranten einreihen, die unter der von Rosa Luxemburg stammenden Losung "Freiheit ist stets die Freiheit des Andersdenkenden" demonstrieren wollen. Die DDR-Sicherheitskräfte verhaften vor laufenden Kameras der Westpresse etwa 160 von ihnen. An den Folgetagen verhaftet das MfS zahlriche Aktivisten der Berliner Oppositionsbewegung, um die beginnende Solidaritätsbewegung zu ersticken. Es kommt jedoch in der ganzen DDR zu Solidaritätsveranstaltungen, an denen tausende Menschen teilnehmen, bis es den DDR-Staatsorganen am 2.02 gelingt, die Verhafteten zur Ausreise zu bewegen.
Bei einem Treffen von Erich Honecker und dem Regierenden Bürgermeister von West-Berlin Eberhard Diepgen werden Erleichterungen in dem Reiseverkehr angekündigt.
Am 31. März kommt es zu einer Vereinbarung über einen Gebietsaustausch zwischen West-Berlin und der DDR.
Horst Neugebauer löst am 21.06 Ewalt Molt als Leiter der Ständigen Vertretung der DDR in Bonn ab.
Am 26.06 treffen 40 Beobachter aus 20 KSZE-Signatarstaaten in Potsdam ein, um die gemeinsame Truppenübung der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) und der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR zu beobachten.
Die Regierung der DDR und die Kommision der EG stellen am 15.08 diplomatische Beziehungen her.
Am 14.09 unterzeichnen die Bundesrepublik Deutschland und die DDR Vereinbarungen über Neuregelungen in dem Transitverkehr. Die Transitpauschale wird von 525 auf 860 Millionen DM (268 auf 440 Millionen Euro) in dem Jahr erhöht.
DDR-Sicherheitskräfte lösen in Ost-Berlin am 10.10 gewaltsam einen Protestmarsch von etwa 200 Personen auf, die mit Transparenten gegen die Zensur von Kirchenzeitungen protestieren und hindern westliche Korrespondenten mit Gewalt an der Arbeit.
Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, David Bronfman , besucht vom 16. bis 18.10 die DDR.
Am 10.11 wird in Ost-Berlin der Grundstein für den Neubau der zerstörten Synagoge in der Oranienburger Straße gelegt.
Die DDR-Medien teilen am 20.11 mit, dass auf Weisung des Postministers die sowjetische Monatszeitschrift "Sputnik" aus der Liste des Postzeitungsvertriebes gestrichen wird. Bereits vorher waren einzelne Ausgaben der sowjetischen Zeitung "Neue Zeit" nicht ausgeliefert worden.
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Der Freidenkerverband der DDR gründet sich am 13.01.
Am 2.05 öffnet Ungarn seine Grenze zu Österreich. In der Folge versuchen Hunderte von DDR-Bürgern über Ungarn in den Westen zu gelangen. Gleichzeitig begeben sich viele in die Botschaften der Bundesrepublik in Budapest, Prag und Warschau, um an westdeutsche Reisepapiere zu gelangen.
Bei Kommunalwahlen am 7.05 wird durch Kontrollen von Bürgerrechtsgruppen erstmals Wahlbetrug nachgewiesen. Tatsächlich waren alle Wahlen bis dahin gefälscht.
Der Staatspräsident der UdSSR, Michail Gorbatschow lehnt am 6.07 eine Intervention von sowjetischen Truppen zur Abwendung von Unruhen in der DDR ab. Die DDR geht damit ihrer Existenzgarantie verlustig.
In Ost-Berlin, Warschau, Prag und Budapest versuchen um den 31.07 Tausende von DDR-Bürgern, durch die Erstürmung der Botschaften der Bundesrepublik ihre Ausreise zu erzwingen.
Bei dem so genannten "Paneuropäischen Picknick" am 19.08 nutzen ungefähr 600 DDR-Bürger die offene ungarisch-österreichische Grenze zur Flucht in den Westen.
Am 4.09 findet die erste Montagsdemonstration in Leipzig statt, bei der etwa 1.200 Demonstranten für Reise-, Presse- und Versammlungsfreiheit demonstrieren.
Die Bürgerbewegung Neues Forum veröffentlicht am 10.09 ihren Gründungsaufruf.
Ab dem 11.09 gewährt Ungarn DDR-Flüchtlingen die Ausreise nach Österreich.
In der DDR bilden sich nachdem Neuen Forum weitere Bürgerbewegungen : Demokratie jetzt (12.09), die Sozialdemokratische Partei der DDR (7.10) und Demokratischer Aufbruch (1.10).
Am 18.09 unterstützen prominente Rockmusiker in einem Aufruf die Gründung des Neuen Forum, das am darauf folgenden Tag einen Antrag auf Zulassung als politische Vereinigung gemäß Artikel 29 der Verfassung stellt.
Tausenden von DDR-Flüchtlingen in den deutschen Botschaften in Prag und Warschau wird am 30.09 erlaubt, in die Bundesrepublik Deutschland auszureisen. Der bundesdeutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher verkündet am Abend auf dem Balkon der deutschen Botschaft in Prag dieses Verhandlungsergebnis.
Die Leipziger Montagsdemonstration am 2.10 mit etwa 20 Tausend Teilnehmer wird von DDR-Sicherheitsorganen gewaltsam aufgelöst. Als am 4.10 etwa 7.600 DDR-Flüchtlinge, die in der Prager und in der Warschauer Botschaft Zuflucht gesucht hatten, mit der Bahn abgesperrte Bahnstrecken der DDR in die Bundesrepublik reisen, kommt es am Dresdner Hauptbahnhof zu den schwersten Auseinandersetzungen von demonstrierenden Bürgern mit DDR-Sicherheitskräften seit dem 17.06 1953.
Bei den Feierlichkeiten zu dem 40. Jahrestag der DDR am 7.10 mahnt der sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow die DDR-Führung zu politischen Reformen. Am Rande der Feiern demonstrieren zehntausende Menschen für eine demokratische Erneuerung des Sozialismus, die Polizei reagiert mit Knüppeln.
Am 9.10 findet in Leipzig die Montagsdemonstration mit etwa 70 Tausend Teilnehmern statt. Zu dem ersten Mal kann man den Slogan "Wir sind das Volk" hören. Eine Woche später sind 100 Tausend bis 120 Tausend Demonstranten in den Leipziger Straßen. Honeckers Befehl, schonungslos gegen die Demonstranten vorzugehen, wird von der Leipziger SED-Führung nicht befolgt. Kurt Masur und andere rufen zu friedlicher Mäßigung auf, die UdSSR verweigert die Teilnahme an einer eventuellen militärischen Niederschlagung der Demonstration. Letztendlich bleibt es friedlich.
Erich Honecker tritt am 18.10 von seinem Amt als Staatsratsvorsitzender zurück. Egon Krenz wird zu dem neuen Generalsekretär der SED gewählt.
Bei der Leipziger Montagsdemonstration am 23.10 skandieren etwa 300 Tausend Menschen: Wir sind das Volk.
Am 3.11 erlaubt die Führung der DDR erstmals die Ausreise von DDR-Bürgern aus der Tschechoslowakei in die Bundesrepublik.
Rund eine Million Menschen demonstrieren am 4.11 in Ost-Berlin gegen das SED-Regime. Sie bilden damit die größte Demonstration der gesamten DDR-Geschichte.
Am 7. und 8.11 treten der Vorsitzende des Ministerrates, Willi Stoph und das gesamte Politbüro der SED zurück.
Von Januar bis November dieses Jahres sind insgesamt etwa 225 Tausend DDR-Bürger in die Bundesrepublik ausgereist.
Am 9.11 verliest Günter Schabowski vor laufenden Kameras, dass sofort und unverzüglich Privatreisen nachdem Ausland ohne Vorliegen von Voraussetzungen wie Reiseanlässe und Verwandtschaftsverhältnisse beantragt werden könnten. Die Genehmigungen würden kurzfristig erteilt. Ausreisen können über alle Grenzübergangsstellen der DDR zur BRD erfolgen. Tausende eilen an die Grenzen. Ohne Befehl öffnen Grenzsoldaten die Übergänge der Berliner Mauer und der Grenze zur Bundesrepublik.
Hans Modrow, bis dahin Chef des SED-Parteibezirks Dresden, wird von der Volkskammer am 13.11 zu dem neuen Ministerpräsidenten der DDR gewählt.
KPdSU-Generalsekretär Michail Gorbatschow bezeichnet am 15.11 die Wiedervereinigung Deutschlands eine "innerdeutsche Angelegenheit" und macht damit klar, dass die Sowjetunion eine solche Wiedervereinigung akzeptieren würde.
Am 1.12 wird der Führungsanspruch der SED von der Volkskammer offiziell aus der Verfassung der DDR gestrichen. Die Staatsanwaltschaft leitet gegen sechs ehemalige Funktionäre der SED Ermittlungsverfahren wegen Amtsmißbrauch und Korruption ein, unter anderem gegen Erich Honecker.
Egon Krenz tritt am 3.12 als Vorsitzender der SED und am 6.12 als Vorsitzender des Staatrates und des Nationalen Verteidigungsrates zurück. Neues Staatsoberhaupt wird Manfred Gerlach (LDPD).
Am 3. Dezember gründen die Teilnehmerinnen eines Frauenkongresses in der Berliner Volksbühne den Unabhängigen Frauenverband (UFV).
Der zentrale Runde Tisch in Berlin tagt das erste Mal am 7.12.
Am 9.12 wird Gregor Gysi Vorsitzender der SED.
Auf der Leipziger Montagsdemonstration rufen die ersten Demonstranten "Wir sind ein Volk" und "Deutschland einig Vaterland".
Die SED gibt sich am 17.12 den Namenszusatz PDS (Partei des Demokratischen Sozialismus).
Am selben Tag beschließt der Demokratische Aufbruch seine offizielle Gründung.
Am 22.12 wird das Brandenburger Tor geöffnet.
Am 24.12 dürfen auch Bundesbürger das erste Mal ohne Visum und Zwangsumtausch in die DDR einreisen.
Im Jahr 1989 sind insgesamt 343.854 Menschen aus der DDR in die Bundesrepublik übergesiedelt. 1988 waren es noch 39.832.
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Hans Modrow bietet am 11.01 den Parteien der Opposition eine Mitarbeit an.
Im Januar 1990 ändert sich der Ton der zusätzlich stattfindenden Montagsdemonstrationen: Die Parole "Wir sind das Volk" aus den Zeiten des Aufbegehrens weicht dem Ruf nach der Wiedervereinigung: "Wir sind ein Volk" und "Deutschland, einig Vaterland". Am 15.01 stürmen Demonstranten die Stasi-Zentrale in Ostberlin. Es entstehen Gerüchte, dass die Aktion vom Geheimdienst selbst inszeniert wurde, um das entstehende Chaos dazu zu nutzen, Akten zu vernichten und aus dem Haus zu schaffen.
Volle Gewerbefreiheit wird am 25.01 eingeführt.
Hans Modrow besucht Moskau, Michail Gorbatschow stimmt einer deutschen Einigung zu. Er wiederholt seine Einwilligung am 10.02 gegenüber Helmut Kohl.
4.02 – Die SED-PDS gibt den Namensbestandteil SED auf.
5.02 – Vertreter des "Runden Tisches" treten in die Regierung Hans Modrows ein.
Am 20.02 verabschiedet die Volkskammer ein neues Wahlgesetz. Sie ermöglicht damit die ersten freien Wahlen zu einem Parlament in der DDR.
Der Runde Tisch lehnt eine Übernahme des Grundgesetzes am 17. März ab und fordert eine neue Verfassung für Gesamtdeutschland.
18. März – Die Wahlen zur Volkskammer der DDR gewinnt überraschend die "Allianz für Deutschland", ein Drei-Parteien-Bündnis, bestehend aus CDU (40,8 Prozent der Stimmen), Demokratischem Aufbruch und Deutscher Sozialer Union (DSU) (insgesamt 48,1%). Die SPD erhält 21,9 Prozent der Stimmen, die PDS 16,3%.
5.04 – Sabine Bergmann-Pohl (CDU) wird Volkskammerpräsidentin und damit (letztes) Staatsoberhaupt der DDR.
12.04 – Lothar de Maizière (CDU) wird Ministerpräsident und bildet eine große Koalition aus mehreren Parteien.
5.05 – In Bonn beginnen die "Zwei-plus-vier-Gespräche" zwischen den Außenministern der Bundesrepublik, der DDR und der ehemaligen Besatzungsmächte (Vereinigte Staaten Amerika, Großbritannien, Frankreich, Sowjetunion); in dem Zentrum dieser Gespräche stehen die außenpolitischen Aspekte der deutschen Einheit.
6.05 - Kommunalwahlen
18.05 – In Bonn wird ein Staatsvertrag zur Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion der Bundesrepublik und der DDR unterzeichnet.
21.06 – Die Volkskammer der DDR und der deutsche Bundestag verabschieden den Staatsvertrag.
1.07 – Die Währungsunion tritt in Kraft. Die D-Mark wird gesetzliches Zahlungsmittel auch in der DDR.
Am 22.07 werden mit dem Ländereinführungsgesetz nach fast 48 Jahren die 14 Bezirke mit Wirkung vom 14.10 1990 wieder in die fünf Länder Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen umgewandelt.
23.08 – Die Volkskammer der DDR votiert für den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik.
13.09 – Die Bundesrepublik und die UdSSR unterzeichnen einen Zusammenarbeits- und Nichtangriffsvertrag. Für den Abzug der Roten Armee aus der DDR bis 1994 erhält die UdSSR 13 Milliarden DM (6,6 Milliarden Euro).
25.09 – Die DDR verlässt den Warschauer Vertrag.
3.10 – Die Deutsche Demokratische Republik tritt der Bundesrepublik Deutschland nach Artikel 23 des Grundgesetzes bei. Dieser Tag wird später zu dem Nationalfeiertag des vereinigten Deutschland erklärt.
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Wirtschaftliche Situation | |
Die DDR war bis zu ihrem Zusammenbruch scheinbar wirtschaftlich gesund: Sie machte Exportgeschäfte, verfügte außerdem über Goldreserven in dem damaligen Wert von etwa 600 Millionen Valutamark (D-Mark) und hatte verfügbare Produktionskapazitäten und große RGW-Marktanteile insbesondere in dem Maschinenbau. Sie exportierte auch Rohstoffe in kleinen Mengen. Die DDR konnte bis zuletzt alle Löhne und Renten zahlen sowie den sonstigen internen Verpflichtungen nachkommen.
Der wirtschaftliche Aufschwung der 70er Jahre beruhte zu einem großen Teil auf der produktiven Veredelung sowjetischen Erdöls, dass zu günstigeren als den Weltmarktkonditionen erworben wurde. Dies insbesondere noch zu Beginn der Ölkrise. Die wirtschaftliche Lage der Sowjetunion, insbesondere die immensen Kosten des Wettrüstens, zwangen sie 1981, die Rohöllieferungen zu drosseln und gleichzeitig den Preis nahe an das Weltmarktniveau zu bringen. Dadurch brach eine der wichtigsten und bis dahin sprudelnden Devisenquellen der DDR-Wirtschaft förmlich zusammen (Zeitzeugen sprechen noch heute von einem spürbaren Wirtschaftsknick in der DDR). Folge war unter anderem der noch viel massivere Ausbau der Braunkohleförderung mit seinen katastrophalen Folgen für die Umwelt und der steigende Bedarf nach westdeutschen "Überlebenskrediten". Der Ölpreissturz in dem Jahr 1985 wurde durch die RGW-Ölpreise der Sowjetunion nicht in vollem Umfang an die RGW-Länder weitergeben. Dies verschärfte die ohnehin prekäre Absatzsituation der erdölverarbeitenden Industrie auf westlichen Märkten noch weiter.
Bei näherem Hinsehen war ihre Lage aber weit schwieriger als es den Anschein hatte:
- Die inländischen Verpflichtungen bestanden ca. in Mark der DDR. Da diese Währung nicht konvertierbar war, ist ihr tatsächlicher Wert ca. durch Warenkorbvergleiche ermittelbar. Das massiv subventionsverzerrte Preissystem der DDR macht diesen Vergleich jedoch äußerst schwierig. Eine Abwertung der DDR-Mark, wie sie allerdings in größerem Maße ca. auf dem Schwarzmarkttausch stattfand, reduzierte jedoch diese inneren Schulden scheinbar nach außen, ohne dass nach innen tatsächlich das Ziel bestand, sie auf absehbare Zeit zu tilgen.
- Die Exporte gingen zu dem weit überwiegenden Teil in andere planwirtschaftlich geführte Länder des RGW. Sie konnten sich mit Beginn der 80er Jahre auf dem freien Weltmarkt gegen die westliche und fernöstliche Konkurrenz meist nicht durchsetzen, wenn bedacht wird, dass seinerzeit eine Computerisierung v. a. in dem Maschinenbau stattfand, auf die die DDR zunächst nicht reagierte. Später wurde der Ausbau der mikroelektronischen Industrie teuer vorangetrieben, ohne aber bezeichnenswerte, international beachtete Entwicklungen hervorzubringen.
- Den Goldreserven stand eine nominelle Auslandsschuld von 10–40 Milliarden US-Dollar (etwa 80 Milliarden Valutamark) gegenüber; somit deckten die Gold- und Devisenreserven nurmehr knapp 1–5 Prozent der nominellen Auslandsschuld.
Diese wirtschaftliche Lage der DDR ist nach ihrem Zusammenbruch auch von manchen ihrer Politiker bestätigt worden, zu dem Beispiel von Günter Mittag und Gerhard Schürer. Allerdings war ihre Lage noch nicht so dramatisch, dass bereits Zahlungsausfälle bei ihren Krediten auftraten. Zudem waren einige der größeren Kredite auch von der Bundesrepublik verbürgt. Jedoch ist in Vorbereitung des nicht mehr stattgefundenen 12. Parteitags der SED der Chef der Planungskommission Gerhard Schürer aufgefordert worden, eine Expertise zur wirtschaftlichen Lage der DDR-Wirtschaft anzufertigen, um zu überprüfen, ob die DDR jederzeit in der Lage gewesen wäre, ihren Zahlungsverpflichtungen (nicht unbedingt auch der Tilgung!) aus ihren Auslandsschulden nachkommen zu können. Diese Expertise listete schonungslos die Schwächen auf und wäre wohl in wichtigen wirtschaftlichen Reformbeschlüssen gemündet, wenn die Revolution das marode System nicht hinweg gefegt hätte. Ihre Umsetzung hätte eine massive Intensivierung des Exports nach westlichen Märkten und empfindliche Einschnitte bei den Versorgungsleistungen mit sich gebracht. Dadurch wäre die Versorgungssituation der Bevölkerung zwar nicht katastrophal geworden (so Schürer in seiner Autobiographie "Gewagt und verloren), aber sie hätte sich schmerzhaft verschlechtert.
Bis zur Auflösung der DDR gab es für die DDR-Bevölkerung eine stetige Verbesserung des Lebensstandards (vom "Knick" 1981 und den größeren Versorgungsengpässen in dem Laufe des Jahres 1989 abgesehen), die allerdings in den 1980er Jahren zu dem Teil durch Kreditaufnahme und Transferleistungen der Bundesrepublik erkauft worden war ('Milliarden-Kredit' und andere). Der Lebensstandard war am Bevölkerungsdurchschnitt gemessen der höchste in den sowjetkommunistisch beherrschten Ländern. Selbst Karl-Eduard von Schnitzler, Chefpropagandist des DDR-Fernsehens, musste eingestehen: "Gewiß war die Versorgung mit Lebensmitteln nicht variabel genug, mit Waren des täglichen Bedarfs unzureichend." Einer der Gründe dafür war der zunehmende Zwang, für den Schuldendienst zu exportieren; die hierfür benötigten Produkte standen dem Inlandsmarkt nicht mehr zur Verfügung.
Offene Anzeichen einer Pleite oder eines Staatsbankrottes waren aus dem Blickwinkel der DDR-Bevölkerung und in damaligen offiziellen und inoffiziellen Regierungsverlautbarungen nicht erkennbar. Gleichwohl bemerkte die Bevölkerung an der Versorgungslage die zunehmend schwierigere Lage, die Betriebe an ihren Möglichkeiten, Produkte aus dem so genannten "nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet" beschaffen zu können. Es ist ungeklärt, in welchem Umfang sich die Führung der DDR selbst dieser Situation bewusst war. Dass sie die Anzeichen nicht übersah, zeigt die Beuftragung der so genannten "Schürer"-Expertise. Auch die meisten westlichen Staaten wurden vom Ausmaß und der Geschwindigkeit des Zusammenbruchs überrascht.
Die wirtschaftliche Lage anderer sozialistischer Staaten war um 1990 ähnlich schlecht (ČSSR) und teilweise katastrophal (Polen, Rumänien). Dies dürfte neben der politischen Unterdrückung einer der Hauptgründe für den schnellen Zusammenbruch der politischen Systeme in den meisten dieser Staaten gespielt haben.
In der DDR konnten die sozialen Folgen der Wirtschaftsprobleme durch die Währungsunion und den Beitritt zur Bundesrepublik zunächst vermieden werden. Die massive Aufwertung der DDR-Mark durch das Umtauschverhältnis 1:2 bis 1:4 (für Betriebe galten andere Konditionen als für Privatleute) und dadurch die extreme Verteuerung der Arbeit in bei weitem nicht so produktiv arbeitenden Werken, führten zu einer extremen Verschlechterung der Wettbewerbskraft gerade auf den besonders wichtigen Ostmärkten. In dem weiteren Verlauf zeigten sich dadurch hervorgerufene Wirtschaftsverwerfungen, die trotz größter Transferleistungen aus dem Westteil Deutschlands, einer Gründerwelle nach 1989/90 und weniger geglückter Treuhandsanierungen bis heute anhalten. Erst 15 Jahre nach der politischen Wende 1989 zeigen sich in Regionen Sachsens und Thüringens erste, nachhaltige Früchte einer mühsamen Aufbauarbeit (Technologiestandort Jena, Halbleiterstandort Dresden, Maschinen-, Werkzeug- und Fahrzeugbau in dem Erzgebirge, Versicherungs-, Banken- und Börsenstandort Leipzig). Hingegen bestehen in den stark landwirtschaftlich geprägten Ländern Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg noch größte wirtschaftliche Schwierigkeiten.
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